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Mit Corona im Nacken auf Streife

Tobias arbeitet seit sechs Jahren als Polizist in Österreich. Er konnte in den vergangenen Tagen feststellen, dass häufig diejenigen, die zu Risikogruppen zählen, sich nicht an die Maßnahmen halten. Das sei gefährlich.

Bild: Michael Heigl / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)

The Opinion: Wie nimmt die Situation Einfluss auf Ihr Leben?

Tobias: Ohje, es wird gleich philosophisch. Wirklich verändert hat sich für mich nicht so viel. Ich gehöre einer Berufsgruppe an, die von den Maßnahmen eigentlich nur indirekt betroffen ist. Das heißt für mich geht die Arbeit eigentlich ganz normal weiter. Es hat sich in der Hinsicht wenig verändert.

Es hat sich nichts verändert?

Wir haben jetzt Vorgaben, dass wir Schutzmasken im Dienst tragen müssen. Das ist für mich aber keine große Umstellung und alle weiteren Vorgaben – wie zum Beispiel die Hygienevorschriften – finde ich jetzt persönlich nicht so einschneidend. Man sollte doch ohnehin Händewaschen, auch ohne Pandemie.

Sind sie wie gewohnt auf der Straße unterwegs? Kein Home Office?

Ja, anfangs gab es Mal die Befürchtung, dass die Hamsterkäufe und der große Ansturm auf die Supermärkte ausarten könnten. Zu diesem Zeitpunkt mussten mehr Kollegen im Außendienst arbeiten und nicht auf der Dienststelle. Das fand ich sogar angenehmer. Weniger im Büro und mehr draußen.

Die erwarteten Ausschreitungen sind nicht eingetreten.

Es hat sich insgesamt sehr in Grenzen gehalten – wenn man von dem Freitag, an dem die ersten Maßnahmen eingesetzt wurden, absieht. Da hat es einen Ansturm auf die Supermärkte gegeben. Seitdem wurden Supermärkte aber nicht komplett leer gekauft.

Die Leute haben also Ihrer Meinung nach verstanden, dass sie nicht verhungern werden.

Ja, Gott sei Dank.

Ist es in deinem Beruf schwierig, den Sicherheitsabstand zu anderen Leuten einzuhalten?

Wir haben die Vorgabe, zu unseren Kollegen einen Abstand von einem Meter einzuhalten. Das ist de facto nicht möglich. Spätestens im Dienstfahrzeug oder zum Teil bei Dienstbesprechungen kann der Sicherheitsabstand nicht gewährleistet werden. Auch bei anderen Personen geht das manchmal nicht. Wenn man jemanden festnehmen muss oder Erste Hilfe leistet. Grundsätzlich fällt es uns aber schon leicht, den Sicherheitsabstand zu anderen Personen einzuhalten. Wir werden geschult, dass wir immer genügend Abstand halten sollten.

Weshalb?

Aus dem Grund, dass wir dann handlungsschneller sind. Sollte es Mal passieren, dass wir einer aggressiven Person gegenüberstehen, gewährleistet der Abstand, dass man reagieren kann.

Verhalten sich die Menschen derzeit anders?

Da möchte ich etwas ansprechen, dass ich ein bisschen auf die österreichische Mentalität zurückführe. Ich habe das Gefühl, dass immer erst einmal die Anderen verurteilt werden, bevor man vor der eigenen Haustüre kehrt. Das merken wir vor allem nachmittags bei schönem Wetter. Da nehmen Anrufe überhand, dass fünf oder sechs Personen gesehen wurden, die den Sicherheitsabstand nicht einhalten. Wir müssen das dann kontrollieren und sie auffordern auseinanderzugehen. Das ist meiner Meinung nach sinnlose Arbeit.

Halten sich die Leute ansonsten an die Regelungen?

Im Großen und Ganzen wird es eigentlich gut angenommen. Interessanterweise gehen die Jugendlichen – bis auf ein paar Ausnahmen – vernünftiger mit der Situation um, als diejenigen, die man schützen will. Uns fällt auf, dass vor allem ältere Leute – also diejenigen die eigentlich zur Risikogruppe zählen – sich zum Teil überhaupt nicht daranhalten. Sie wollen unbedingt spazieren gehen oder etwas anderes machen. Das ist erschreckend. Schließlich sollen sie mit den Maßnahmen geschützt werden.

Anmerkung von The Opinion:

»Den JournalistInnen wird immer häufiger vorgeworfen, sie würden das Interview verfälschen. Als JournalistIn versucht man, den Sinngehalt des Gesagten nicht zu verändern. Die Korrekturen dienen dazu, den Text leserlich zu machen. Auch wir haben das in diesem Interview getan. Wir haben Zwischenfragen eingeschoben, um Sinneseinheiten voneinander abzugrenzen. Wir haben Passagen zusammengeführt, damit man keine thematischen Dopplungen lesen muss. Wir haben gestellte Fragen weggelassen, die sich bei der Beantwortung als nicht relevant herausgestellt haben.«

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