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Die Krux mit dem Alter (?)

Geht es um die AfD oder um den Brexit, kommt immer wieder die Generationenfrage auf. Die alte Generation wird dabei für die konservative Haltung und einen Rechtsruck verantwortlich gemacht. Doch trifft das wirklich zu? Tatsächlich ist es mehr eine nationale Angelegenheit.

Bild: Varun Kulkarni (Pixabay)

An Diskussionspotenzial mangelt es uns bei weitem nicht. Über Vieles wird gesprochen. Klimawandel, Zuwanderung, Politik und EU sind die gängigen Themen. Sie sind sogar Streitthemen. Und nicht selten formen sich dann die Lager der Genrationen. Die »reifere« Genration, ab 50 plus, versteht die Jugend von heute nicht mehr und ist ohnehin für alles Schlechte verantwortlich. Die jüngere Generation ist dann meistens »links-grün« und die alte Genration ist ganz klar »rechts«. Doch stimmt das wirklich oder ist diese Erklärung nicht zu kurz gegriffen?

Werfen wir einen Blick nach Deutschland. Dort sind die hitzigen Diskussionen um die Partei AfD, der »Alternative für Deutschland«, mittlerweile alltäglich geworden. Diese Partei steht ganz klar rechts und wirbt mit »guten alten« Werten. Der jüngste Wahlerfolg in Thüringen scheint sich schnell erklären zu lassen. Schuld daran sind die Wähler*innen; also die Alten, die mit Zuwanderung und Klimawandel nichts anfangen können. Symbolisch schien noch bis vor kurzem ihr Parteivorsitzende Alexander Gauland (78) die Generation zu verkörpern, die hinter der Partei steht. Zwar hat Gauland, aus Altersgründen, sein Amt mittlerweile abgetreten, aber das Bild der Generation bleibt doch erhalten. Zumindest bis jetzt: Denn jüngste Statistiken zeigen ein ganz anderes Bild.

Schauen wir aber noch kurz nach England. Dort bestimmt der Brexit das alltägliche Leben. Zwar liegt das Referendum über den Austritt schon Jahre zurück, aber auch die letzte Unterhauswahl konnten die konservativen Torries für sich entscheiden. Obwohl der Brexit immer kontroverser in der britischen Bevölkerung diskutiert wird, gewinnen die Vertreter*innen dieses Vorhabens. Das ist eigentlich kaum nachvollziehbar. Bedenkt man zudem, dass sich die Bevölkerung schon kurz nach dem Referendum von 2016 über Google informiert hat, was die Europäische Union überhaupt ist. Mittlerweile scheinen es Alle verstanden zu haben. Aber dennoch gewinnen die Konservativen? Ganz klar, dafür müssen wieder die Alten verantwortlich sein. Anders kann man sich das nicht erklären lassen.

An dieser Stelle müssen ein paar Statistiken herhalten. Die Analysen im Vorfeld der letzten UK-Wahl vom 12.12, machten deutlich: die Generationen ab 50 Jahren wählen die konservativen Torries. Damit haben die »kleinen« Generationen der bis zu 30-Jährigen gar keine Chance. Also: geht es um den Brexit, so scheint dies tatsächlich eine Generationenfrage zu sein. Die junge Generation ist vielleicht weitsichtig(er) und aufgeklärt(er), während die alte Genration pessimistisch und verdrossen ist. Möchte man den Brexit tatsächlich verhindern, so müsste man sicherlich bei den 50 bis 60-jährigen ansetzen. Man müsste versuchen, sie für die Idee des »Exits vom Brexit« zu gewinnen – mit klaren und sachlichen Argumenten.

Infographic: UK election: a question of age | Statista

In Deutschland schaut das aber ganz anders aus. Denn die Analysen der letzten Landtagswahl in Thüringen machen deutlich, dass die AfD bei allen Altersgruppen unter 60 gewonnen hat. Tatsächlich war es also die ältere Generation, die bisher als die eigentliche Wählerschaft vermutet wurde, eine absolute Mehrheit dieser Partei verhindert hat. Die AfD konnte also auch bei all jenen gewinnen, die bisher als »links-grün« und »aufgeklärt« galten. Also ist das »Phänomen AfD« vieles – aber sicher keine Frage der Generation.

Es sind  nicht zwangsläufig die »Alten«, die als konservativ gelten und das Neue ablehnen. Bestimmte Generationen wählen nicht zwangsläufig bestimmte Parteien. Gerade an Deutschland wird es deutlich: das politische Spektrum ist keine Generationenfrage. Anstatt zu meinen, wie der Hase läuft, sollte man sich eher darauf konzentrieren, vernünftige Argumente ins Feld zu führen. Und in der Diskussion offen zu sein. Wenn auch der subjektive Blick trügen mag: nicht alle Alten scheinen wohl gegen das »Neue« zu stehen.

Quellen:

Neuerer, Dietmar (2019): Gauland tritt ab – und eröffnet den Kampf um seine Nachfolge. Online unter: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/afd-gauland-tritt-ab-und-eroeffnet-den-kampf-um-seine-nachfolge/25277942.html?ticket=ST-35855492-gSJaK7QyagzHPgevWkds-ap1.

Pany, Norbert (2019): Thüringen als Chance? Online unter: https://www.theopinion.eu/thueringen-als-chance/.

Reuter, Benjamin (2019): AfD gewinnt bei allen Altersgruppen unter 60. Online unter: https://www.tagesspiegel.de/politik/die-thueringen-wahl-in-zahlen-afd-gewinnt-die-wahl-bei-allen-altersgruppen-unter-60/25160270.html.

Schätz, Konstantin (2019): »Es hat mich stolz gemacht, Brite zu sein«. Online unter: https://www.theopinion.eu/es-hat-mich-stolz-gemacht-brite-zu-sein/.

Spiegel Online (2016): Briten googeln, was der Brexit bedeutet. Online unter: https://www.spiegel.de/netzwelt/web/brexit-briten-googeln-was-der-ausstieg-bedeutet-a-1099560.html.

Bild:
Varun Kulkarni (Pixabay)

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4 Kommentare zu “Die Krux mit dem Alter (?)”
  1. Ich glaube, dass es hier auch viele Protest Wahlen hab. Aktuell ist die politische Lage sehr unbefriedigend und ich könnte mir vorstellen, dass hier auch viele einfach nur ein Zeichen setzten möchten.

  2. Dieses Thema ist echt sehr interessant. Wie auch hier bereits in den Kommentaren erwähnt könnte ich mir auch den ein oder anderen Protestwähler vorstellen denke aber, dass das Problem in unserem Land schon viel größer ist. Die Unzufriedenheit wird immer größer und die Leute wollen Veränderung.

  3. Die alten Entscheiden über die Jungen. Ich weiss nicht ob man nicht vllt das komplette System des Wählens überdenken sollten. Viele alten habe leider einfach keine Ahnung was in der Welt los ist, werden mit Bussen von Ihrer Partei abgeholt um dann zu wählen …

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