Das Mittelmeer: Friedhof der Flüchtenden

Mittelmeer

Am Freitag ertranken vor der lybischen Küste 117 Menschen. Drei konnten gerettet werden. 

117 ist eine abstrakte Zahl. Zumindest tut man sich schwer, sich eine Menschengruppe mit 117 Personen vorzustellen. Etwas konkreter wird es, wenn man sich zwei voll besetzte Linienbusse vorstellt. So viele Menschen sind am Freitag vor der lybischen Küste ertrunken. Nur drei Personen konnten gerettet werden. Das schrieb Flavio Di Giacomo auf Twitter. Er ist der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM).

TweetZehn Stunden nachdem das Schlauchboot abgelegt habe, sei dem Boot die Luft ausgegangen und das Schiff gesunken. »Die Menschen sind ins Meer gefallen und ertrunken«, wird Di Giacomo von der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos zitiert. Die italienische Küstenwache wurde dafür kritisiert, zu spät eingegriffen zu haben. Diese teilte daraufhin mit, dass sie sich nur an internationale Regeln gehalten habe.

Nur schwer lässt sich eine solch makabere Aussage überbieten. Die Schuld sollte hier aber nicht primär der italienischen Küstenwache gegeben werden – sondern der europäischen Gemeinschaft. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen brachte es auf den Punkt: »Ohne sichere und legale Wege für Menschen, die Sicherheit in Europa suchen (…), bleibt das Mittelmeer ein Friedhof«.

Foto und Text: Konstantin Schätz

Quellen:

Die Zeit (2019): Fast 120 Tote bei Bootsunglück vor Libyen befürchtet. Online unter: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-01/mittelmeer-fluechtlinge-seenot-libyen-italien-tote (19.01.2019).

RP Online (2019):Offenbar 117 Migranten bei Bootsunglück vor Libyen ertrunken. Online unter: https://rp-online.de/panorama/ausland/katastrophe-im-mittelmeer-offenbar-117-migranten-bei-bootsunglueck-vor-libyen-ertrunken_aid-35755203 (19.01.2019).

 

Konstantin Schätz

Autor: Konstantin Schätz

Freier Journalist (u.a. für die Süddeutsche Zeitung) und Student der Kommunikationswissenschaft. Er setzt sich mit Ereignissen und Prozessen in Politik und Gesellschaft auseinander.

7 Gedanken zu „Das Mittelmeer: Friedhof der Flüchtenden“

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