Wenn Pennywise lacht – Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern

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Jeder kennt Momente im Leben, in denen man lacht, um nicht weinen zu müssen. Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern muss wohl der politische Monty Python Film unter diesen Momenten sein. Denn als ich mein Handy entsperrte, um mich darüber zu informieren, ob denn bereits Hochrechnungen von der Landtagswahl veröffentlicht wurden, konnte ich nicht anders, als zu schmunzeln. Eigentlich eine völlig unberechtigte Reaktion. Ja eigentlich sogar schon zynisch.

Denn es handelt sich hierbei nicht um ein lustiges youtube Video, wo ein etwas tollpatschiger Hundewelpe gegen eine geschlossene Glastür läuft, den Kopf schüttelt und das Video damit abschließt, dass er unbehelligt weiterläuft. Nein, bedauerlicherweise endet diese Komik nicht. Die Komik geht jetzt Politik machen und zwar mit mehr Rückendeckung als die CDU. Die Komik wurde mit über 21 Prozent in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Für CDU-Vorsitzenden Lorenz Caffier muss es sich eher so anfühlen, als hätte der Hundewelpe die Wahl vom Sonntag nicht überlebt.

Die AFD setzt ihren Siegeszug unbehelligt fort. Häufig habe ich, wenn ich gefragt wurde, wie man dem Phänomen AFD begegnen sollte, gesagt, dass man ihnen ein Mikrofon in die Hand geben und sagen lassen sollte, was sie denken zu sagen zu haben. Es hat funktioniert: Wolfgang Gedeon verharmloste den Holocaust und bezeichnete ihn als »Zivilregion des Westens«, Meuthen drohte daraufhin mit der Spaltung der AFD, da er nicht mit einem Antisemiten in einer Partei sein wollte und verkündete einige Wochen später mit geschwollener Brust, dass nichts dagegen spricht, mit der NPD zusammenzuarbeiten. Von diversen Kooperationen mit Rechtspopulisten und fragwürdigen Äußerungen seitens Frauke Petry und Beatrix von Storch ganz zu schweigen.

Der Irrsinn wurde als Irrsinn entlarvt und ist jetzt dennoch salonfähig. Und ich? Ich belächle den Irrsinn. Lächle, um nicht weinen zu müssen und sehe zu, wie die AFD-Abgeordneten lachen. Aus tiefster Seele. Sie lachen wie Pennywise aus Stephen Kings »ES« kurz bevor der Clown den nichts ahnenden Jungen in den Abgrund zieht.

Konstantin Schätz

Autor: Konstantin Schätz

Freier Journalist (u.a. für die Süddeutsche Zeitung) und Student der Kommunikationswissenschaft. Er setzt sich mit Ereignissen und Prozessen in Politik und Gesellschaft auseinander.

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