Filter-Bubble: Gibt es noch Informationsfreiheit?

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>>A squirrel dying in front of your house may be more relevant to your interests right now than people dying in Africa.<< Mark Zuckerberg.

Der Digital-Soziologe Eli Pariser ließ 2011 mit seiner These der Filter-Bubble aufhorchen. So bezeichnet er die im Web stattfindende personalisierte Informationsdistribution. Der Großteil der Inhalte, die wir im Netz finden – beispielsweise über Suchmaschinen wie Google oder Bing, in Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter und sogar in Nachrichtenportalen wie der New York Times – sind vorgefiltert – also auf uns zugeschnitten. Das bedeutet, dass du, wenn du nach einem Begriff suchst, andere Ergebnisse erhältst als beispielsweise dein Nachbar. Welche Auswirkung hat diese Filterung?

Unternehmen wollen uns Usern die beste Nutzererfahrung liefern – das meint in diesem konkreten Fall auf uns zugeschnittene Information. Das klingt im ersten Moment positiv – wer will nicht Suchergebnisse haben, die zu den jeweiligen Bedürfnissen passen. Tritt man einen Schritt zurück stellt sich das Bild allerdings dramatischer dar. Konsumieren wir im Netz Informationen, bekommen nur die Inhalte, die uns aller Wahrscheinlichkeit gefallen. Dadurch entsteht eine >>gemütliche Blase<<, in welcher wir >>schweben<< und mit welcher wir uns zufrieden geben. Doch wollen wir nicht unsere Lebenswelt erweitern, uns weiterbilden, neue Themengebiete erobern und erlernen? Und sollten wir nicht auch mit Dingen konfrontiert werden, die uns nicht unbedingt gefallen? Existiert nicht gar eine Art Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, in der wir leben und gegenüber unseres Demkoratiesystems – uns mit Informationen zu versorgen um Entscheidungen in Form von Wahlen abhalten zu können?

Die Internetkonzerne sehen dies anders. Diese versuchen uns durch personalisierte Inhalte auf Ihren Plattformen zu halten – denn Aufmerksamkeit ist die neue Währung im Informationszeitalter. Es werden ähnliche Beiträge angezeigt wie die, auf die wir bereits geklickt oder die, die wir geliked haben. Zudem fließen Faktoren wie Aufenthaltsort, Rechner, Nutzungsverhalten etc. mit ein (vgl. Pickhardt René 2011: o.S.). Alledem müssen wir uns erst bewusst werden, denn wir werden still und heimlich in diese Blase aufgenommen – oder ist es dir als LeserIn bereits aufgefallen, dass Inhalte (abgesehen vielleicht von Amazon Produkten am Seitenrand) auf dich zugeschnitten sind?

Sukzessive werden so traditionelle Medien und JournalistInnen – die so genannten Gate-Keeper – durch technische Algorithmen ausgehebelt. Wichtige demokratiepolitische Funktionen wie das Hinweisen auf Missstände in der Gesellschaft, ein gewisser Bildungsauftrag oder qualitativ hochwertige Nachrichten – gehen somit verloren. Denn der große Unterschied zwischen JournalistInnen und technischen Codes ist die fehlende Ethik letzterer.

Was sollte sich nun ändern? Die Internetkonzerne sollten dem User die Wahl lassen, welche Inhalte er oder sie sehen möchte. Die Filter sollte transparent sein und selber angewandt werden können. Beispielsweise durch das anzeigen von kritischen Beiträge – oder gar durch das deaktivieren dieser Filter. Außerdem müssen die Algorithmen so gut weiterentwickelt werden, dass sie auch Ethik verstehen und somit zumindest zu einem Teil öffentliche Verantwortung übernehmen können. Eli Pariser hat 2011 auf die Problematik von Filterblasen aufmerksam gemacht und führende CEOs von Technologie Unternehmen wie Zuckerberg, Brin und Page aufgefordert, Filter transparenter und ethisch korrekt zu gestalten. Nach fünf Jahren – einer gewaltigen Zeitspanne in der Welt der digitalen Medien – haben sich keinerlei Verbesserungen ergeben.

Wie können wir nun auf diesen Missstand reagieren? Erstens sollten wir uns der Tatsache bewusst werden, dass Content personalisiert ist und kritisch auf die Inhalte blicken, die wir vorgesetzt bekommen. Zweitens sollten wir für uns wichtige Inhalte nicht aus Social Media Sites – allen voran Facebook – beziehen, da diese extrem stark vorsortieren um uns auf deren Plattformen zu halten. Abhilfe schaffen beispielsweise Feedreader wie feedly, bei welchen du dir dein eigenes >>Nachrichtenprogramm<< zusammenstellen kannst. Dieses wird dann ohne Filter chronologisch sortiert. Drittens schadet es nicht, hin und wieder ein Buch, eine (Fach-)Zeitschrift oder eine Tageszeitung in die Hand zu nehmen – denn diese zu personalisieren tun sich IT-Konzerne bis dato doch etwas schwer.

 

Quellen:

  • Eli Pariser (2011): The Filter Bubble: What the Internet Is Hiding from You. New York: Penguin Press.
  • Pickardt, René (2011): http://www.rene-pickhardt.de/google-uses-57-signals-to-filter/ (13.10.2016).
  • Bild: Ⓒ 2016 Patrick Daxenbichler
Patrick Daxenbichler

Autor: Patrick Daxenbichler

Medienkritischer Blogger, u.a. bei TheOpinion. Student der Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg. Selbstständiger Unternehmer. Fan und Unterstützer der neuen Medien. Politisch liberal und aufgeschlossen.

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