Eine lächerlich gute Entscheidung

Eine lächerlich gute Entscheidung

Manchmal ist die Entscheidung, für die wir belächelt werden, letztlich die einzig Richtige.

Viele Musiker, Wissenschaftler, Künstler, aber vor allem auch Politiker haben in der Vergangenheit unter Beweis gestellt, dass es manchmal nützlich ist, das Stirnrunzeln und Augenverdrehen der Menschen zu ignorieren. Derzeit wird gerade ein ganzes Land – vor allem von deutscher Seite –belächelt: unser Nachbarland Österreich.

Als ich vor wenigen Tagen auf einen Artikel der Salzburger Nachrichten gestoßen bin, in dem das Feedback deutscher Medien über die Klebstoffkrise zusammengetragen wurde, dachte ich mir, dass es vermutlich die Meinung von rund 98% der deutschen Bürger widerspiegeln muss.

Berliner Morgenpost: »Pannenrepublik Österreich«

Frankfurter Rundschau: »Die Frage muss allmählich ernsthaft diskutiert werden: Braucht Österreich internationale Wahlbeobachter?«

Auch ich war irritiert, als ich mitbekommen habe, dass der Albtraum „Hofer gegen van der Bellen“ kein Ende nimmt. Ähnlich wie Filmfortsetzungen von Horrorfilmen: Der erste Teil ist gruselig, aber bei den Folgefilmen mischt sich meist noch ein Augenverdrehen unter die Schockszenen, weil man sich im Laufe der Handlung fragt: „Ernsthaft? Schon wieder?“

Aber so sehr die Situation auch belächelt wird, so richtig und wichtig ist sie. Denn was wäre, wenn die Wahl durch diese Panne wieder wiederholt werden müsste? Noch ein Versuch für die „Freiheitliche“ Partei Österreichs? Lieber nicht! Lieber diesmal alles richtig machen und alles so genau prüfen, bis eine reibungslose und fehlerfreie Wahl ermöglicht werden kann.

Das ist ungefähr so, wie wenn man in lauter Eile das Passwort seines Laptops in die Tasten hämmert, um, so schnell es geht, das Gerät in Betrieb nehmen zu können. Wenn man sich dann aber vertippt, konzentriert man sich meist sehr viel mehr darauf, dass man  das Passwort beim zweiten Mal richtig eingibt. Teilweise lösche ich sogar die letzten zwei Buchstaben, wenn ich mir nicht sicher war, ob ich mich gerade vertippt haben könnte. Das tue ich, weil ich weiß, dass es definitiv schneller geht, sich eine Sekunde zu konzentrieren, als den Vorgang immer und immer wieder zu wiederholen.

Also lieber einmal tief durchatmen Österreich und Passwort richtig eingeben (Kennwort ist übrigens:  VanDerBellen2016). Nehmt das Klebedebakel mit Humor. Der Tag wird kommen, da dürft ihr euch bestimmt bei euren Nachbarn revanchieren.

Übrigens wurde in Österreich noch eine gute Entscheidung getroffen. Diesmal von den Präsidentschaftskandidaten Hofer und van der Bellen selbst: Danke dafür, dass ihr das peinliche TV-Duell nicht wiederholt. Denn das war wirklich lächerlich.

Konstantin Schätz

Autor: Konstantin Schätz

Freier Journalist (u.a. für die Süddeutsche Zeitung) und Student der Kommunikationswissenschaft. Er setzt sich mit Ereignissen und Prozessen in Politik und Gesellschaft auseinander.

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